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Beikostplan

Ein Beikostplan mit Speisen, die Baby's Alter entsprechen

Eine kurze Anekdote: Ich war bei meiner älteren Tochter so besorgt, dass sie genug Nährstoffe bekommt und ja nur die Richtigen, dass ich irgendwie verpasst habe, ihr Essen anzubieten, das auch mir schmeckt, wie zum Beispiel Pizza. Ich dachte mir immer Pizza hat viel zu viel Salz für ein Baby (hat sie auch, aber darum gibt’s eben nicht jeden Tag Pizza) und ich wollte ihr nie welche geben. Naja, als ich ihr dann mit zwei Jahren das erste Mal Pizza vorgesetzt habe, wollte sie, gelinde gesagt, davon nichts wissen. Sie kannte ja keine Pizza und Zweijährige können bei Neuem eine starke Meinung haben. Nein! Also, sie aß keine Pizza. Es wurde dann langsam besser, nachdem wir öfter Pizza zum Essen hatten. Irgendwann aß sie wenigstens den Belag (und ich viel Pizza ohne Belag) und später auch die Kruste. Heute ist sie knapp über Vier und ich denke sie isst seit ca. 3 Monaten endlich ein volles Stück Pizza (ich danke da auch den zahlreichen Kindergeburtstagen mit Pizza).

Essen ist eben mehr als ‚nur‘ Nährstoffe und, ich denke, bei Babys vergessen wir das manchmal. Von Anfang an altersgerechtes Essen anzubieten, vermindert das Risiko heikle oder wählerische Esser zu erziehen. Auch wenn Erziehungsberechtigte eben manchmal das Gefühl haben das Baby bekommt nicht genügend Nährstoffe oder Kalorien. Babys nehmen vor dem ersten Geburtstag die Großzahl der Kalorien und der meisten Nährstoffe über Muttermilch oder Fläschchennahrung auf. Das heißt, die erste Beikost ist wirklich, um das Essen zu erlernen – verschiedene Geschmäcker und Texturen und die erforderliche Mundmotorik.


Babys müssen sich langsam an verschiedene Geschmäcker und Texturen von Lebensmitteln gewöhnen bis sie mit ca. 9 Monaten immer mehr und ab 2 Jahren vollständig am Familienessen teilnehmen können. Zusätzlich erfordert das auch eine gewisse Mund- und Feinmotorik.


5-6 Monate

Babys lernen in dieser Zeit Finger zum Mund zu führen. Außerdem geht der Würgereiz zurück und wird schwächer. Babys haben anfangs einen sehr starken Würgereiz, der, relativ leicht, schon weit vorne auf der Zunge, ausgelöst wird und sie vor dem Verschlucken und Ersticken schützt. Schon leicht angedickte Flüssigkeiten, z.B. Pürees, oder feste Objekte, z.B. Loeffel – im Endeffekt alles außer Milch und Nippel – können bei Babys zu Würgereflexen führen.

Zwischen 5 und 6 Monaten sind Beißringe perfekt für Babys, um die Mundmotorik zu üben und um zu lernen Gegenstände zum Mund zu bringen.

Aber auch harte, resistente Lebensmittel eignen sich für Babys, die noch nicht ganz das Beikostalter erreicht haben. Wichtig ist, dass das Baby keine Stücke im Mund abbrechen oder abbeißen kann (oder dass diese Stücke nur von weichen, gekochten Lebensmitteln sind).

  • Ganze Karotte (Karotten aus dem Kühlschrank sind super, um das Zahnfleisch zu kühlen)

  • Großes Stück Kohlrabi

  • Gekochte grüne Bohnen

  • Gekochter Spargel

  • Wassermelonenschale

  • Mangostein

  • Hähnchenknochen

  • Knochen von Spare Ribs

  • Harte Brotkruste

  • Babylöffel

Baby hat eine Karotte im Mund.

Außerdem ist es das perfekte Alter, um das Baby mit an den Familientisch oder in die Küche zu bringen, zum Beispiel in einer Babywippe oder auf dem Schoß. So wird das Interesse am Essen geweckt und Babys können gut die Gerüche von Essen wahrnehmen.


6 Monate

Babys verwenden in diesem Alter den Faustgriff, um Gegenstände in die Hand zu nehmen. Essen oder Lebensmittel, die kleiner sind als die Faust des Babys verschwinden einfach darin und sind für das Baby eher entmutigend. Es gilt also für Selbstesser große Stücke anzubieten, an denen sie saugen oder knabbern können. Alternativ können Versorger*innen Babylöffel in Brei oder breiiges Essen dippen und diese dem Baby füttern oder zum Selbstfüttern dem Baby in die Hand geben. Babys fangen dann langsam an das Schlucken von dickeren Flüssigkeiten und kleinen Stückchen zu erlernen.

Lebensmittel für Beikostanfänger sind also groß und weich:

  • Streifen von Fleisch, wie Steak oder Braten

  • Hähnchenschenkel

  • Avocado

  • Gekochte Süßkartoffel, Karotte, Paprika oder anderes Gemüse

  • Brotkruste mit Aufstrich, z.B. Erdnussmus

  • Brei oder Mus


Baby kaut an einem Stück Steak.

Babys haben eine beeindruckend starke Kaumuskulatur, Zahnfleisch und Kiefer. Das heißt, dass Babys Essen beißen und knabbern können lange bevor sie Zähne haben. Nur weil das Baby noch nicht zahnt ist also kein Grund nur Brei anzubieten!


7-8 Monate

Die meisten Babys verwenden immer noch den Faustgriff und sind noch schwer am Üben ihren Mund zu finden und den sensiblen Würgereiz zu überwinden. Außerdem arbeiten sie daran die Kaumuskulatur aufzubauen, das Essen mit der Zunge im Mund zu bewegen und das Beißen zu lernen (auch wenn sie noch keine Zähne haben!).

Lebensmittel mit zunehmend komplexer, das heißt unterschiedlicher, Textur und auch Geschmack sind ideal für Babys in diesem Alter. Babys sind in diesem Alter unheimlich aufnahmefähig für neues Essen und es gilt das voll auszunutzen. Als gekochtes Gemüse hat zum Beispiel Brokkoli oder Blumenkohl verschiedene Texturen. Kombinierte Lebensmittel, wie Nudeln mit Soße oder Kartoffel mit Hackfleisch, können auch zunehmend angeboten werden.

Wichtig ist, dass Babys von fein püriertem Brei innerhalb dieser ersten 3 Monate der Beikostanfänge langsam wegkommen. Versorger können, zum Beispiel, Mus oder zerdrücktes bis hin zu weich gekochtem Essen anbieten. Alternativ kann dem Brei Essen mit anderer Konsistenz untergerührt werden, wie zum Beispiel weiche Haferflocken, Quinoa oder Reis.

Babys essen auch gerne Gerichte mit Geschmack! Wenn man nur mal an andere Kulturen denkt, wie Asiatische oder Afrikanische Kulturen. Dort essen Babys von Anfang an gewürztes und kein fades Essen. Kräuter, Gewürze (außer Salz), Zwiebeln und Knoblauch sind alles super Zutaten für Babys Essen.


Ab 9 Monaten

Rund um den 9. Lebensmonat entwickeln die meisten Babys den Pinzettengriff. Das ist super, weil man dann, mehr oder weniger, einfach das Familienessen kleinschneiden und anbieten kann, abgesehen von extrem salzhaltigen Essen, Zucker und Essen mit Erstickungsgefahr. Wir kochen, zum Beispiel, zu Hause unser Essen ohne Salz und die Erwachsenen salzen dann nach; oder manchmal lassen wir Essen für unser Baby etwas ‚verkochen‘ (z.B. Nudeln oder Fleisch) für eine weichere Konsistenz oder aus Lebensmittelsicherheit. Es war mir wichtig, dass unsere Familie irgendwann zusammen und das Gleiche isst. Ich koche nicht gerne, habe auch nicht die Zeit dafür, und will sicher nicht Allen etwas Separates zubereiten. Nachdem Babys vor dem ersten Geburtstag noch am aufgeschlossensten sind Neues zu probieren ist dann die beste Zeit sie an die eigenen Lieblingsgerichte zu gewöhnen.

Also, egal ob Babys mit Brei oder Fingerfood angefangen haben, ab ca. 9 Monaten sollten alle im Großen und Ganzen bei ‚normalem‘ Essen oder auch Familienessen angekommen sein. Das heißt nicht, dass alle Babys gleich volle Teller wegputzen müssen, sondern dass sie sollen alle während der Mahlzeiten ein Angebot an verschiedenen Lebensmitteln mit unterschiedlichen Texturen und Geschmack haben. Ob sie das dann essen oder nicht – das ist ihre Entscheidung!

Außerdem sollten die Babys ab 9 Monaten zu ca. 3 Mahlzeiten am Tag übergehen und damit kriegen sie viel mehr Übung im Essen und werden dann auch sichtlich besser darin.


Letztendlich gehört zu altersgerechter Konsistenz von Essen aber auch, dass Essen so zubereitet wird, dass es keine Erstickungsgefahr birgt; und letztlich natürlich ohne (oder nur mit minimal) Zucker und Salz ist und wichtige Nährstoffe, wie z.B. Eisen, enthält.




LITERATURVERZECHNIS

  1. Birch, L. L. & Doub, A. E. Learning to eat: birth to age 2 y. Am J Clin Nutr99, 723S-728S (2014).



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