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Beikost - Wie?

Wie startet man mit Beikost? Ob Fingerfood oder Brei – Hauptsache nach Bedarf!

Viele denken vielleicht beim 'Wie' es geht um entweder Baby-led-weaning oder traditionellen Babybrei, aber das ist gar nicht so wichtig. Eine der wichtigeren Tischregel ist, zum Beispiel, dass Babys und Kinder dann zu Essen aufhören, wenn sie satt und voll sind. Sobald Kinder äußern, dass sie am Essen kein Interesse mehr haben und satt sind, ist die Mahlzeit vorbei. Keine Flugzeuge, kein ‚noch ein Löffel‘, und auch sonst keine Tricks! Das ist auch die einzige Regel, die es sich lohnt, allen Großeltern, Babysittern und Kindergärtnern nahezulegen. Kinder sollen dann mit dem Essen aufhören, wenn es ihnen ihr Körper sagt und nicht wenn Erwachsene denken sie haben genug gegessen. Das gilt von Anfang an.


Es hat sich in den letzten Jahren in der Wissenschaft gezeigt, dass das Verhalten der Eltern oder Versorger WÄHREND der Mahlzeit eine extrem wichtige Rolle spielt. Erwachsene haben einen großen Einfluss darauf, dass Kinder später einen gesunden Bezug zum Essen haben. Das geht weit über das, was serviert wird hinaus. Es bezieht sich darauf, dass Versorger während der Mahlzeit auf die Bedürfnisse der Kinder und Babys reagieren und eingehen. Bei Babys nennt sich das ‚responsive feeding‘ (bei Erwachsenen ‚bewusst essen‘).


‚Responsive feeding‘ besteht aus den folgenden Elementen:

  1. Versorger respektieren Völle- und Hungersignale des Babys: Babys signalisieren von Anfang an, wenn sie hungrig aber auch gesättigt sind durch Weinen, Kopf drehen, Greifen, etc. Mahlzeiten sollen dann aufhören wenn das Baby am Essen kein Interesse mehr zeigt.

  2. Positive Atmosphäre (Baby isst MIT der Familie): Statt allein, essen Babys am Familientisch ohne Druck, das signalisiert Zugehörigkeit und hilft dem Baby durch Abschauen leichter zu erlernen WIE und WAS gegessen wird. Dadurch entwickelt das Baby auch eine positive Assoziation mit dem Essen und ist eher bereit Neues zu probieren.

  3. Baby hat die Möglichkeit sich selbst zu füttern: Das kann ganz unterschiedlich aussehen und geht von Baby öffnet den Mund bewusst selbstständig für einen Loeffel Brei bis hin zu Baby greift das eigene Essen und führt es selbst zum Mund (Baby led weaning).

  4. Mahlzeiten mit Routine: Kleine gewohnte Abläufe, wie Tisch decken, Hände waschen, an den Tisch setzen helfen dem Baby sich gedanklich auf das Essen vorzubereiten.

  5. Baby sitzt bequem und sicher (am Tisch): Babys sitzen bequem, wenn sie aufrecht (nicht zurückgelehnt) in einem Stuhl sitzen, die Beine im rechten Winkel und die Füße auf einer Fußstütze.

  6. Angebot von altersgerechtem Essen: Babys wird kein Einheitsbrei, sondern verschiedenes Essen mit zunehmender komplexer Textur und unterschiedlichem Geschmack angeboten.


Baby sitzt im Hochstuhl am Tisch und spielt mit Löffel.

All diese Prinzipien gehen darauf zurück, dass man den Babys und auch Kleinkindern bewusstes und aufmerksames Essen erlernen möchte. Bewusst zu Essen bedeutet auf den Körper zu achten und das zu sich zunehmen wonach er fragt und auch dann mit dem Essen aufzuhören, wenn man satt ist. Bewusstes Essen ist etwas, die meisten Erwachsene aus verschiedensten Gründen verlernt haben. Dazu gehört aber auch, dass viele von uns in einer Zeit aufgewachsen sind, in der geglaubt wurde man müsste Babys ‚noch einen Loeffel Brei‘ geben und ‚Nachspeise gibts erst wenn der Teller leer ist‘. Heute ist sich die Wissenschaft einig, dass Babys, Kleinkinder und Kinder selbst entscheiden können, wie viel und ob sie überhaupt essen.


Völle- und Hungersignale


Es ist einfach für mich hier zu schreiben, dass Versorger auf Völle- und Hungersignale ihrer kleinen Wichte achten und diese respektieren sollen, wenn die nur babbeln oder schreien.


Aber Babys senden von Anfang an eindeutige Signale, wie z.B.:


VÖLLE

  • Baby dreht Kopf (von Brust/ Flasche oder Loeffel)

  • Baby schließt den Mund

  • Baby spielt mit dem Essen statt es in (an) den Mund zu führen

  • Baby wirft das Essen auf den Boden

  • Baby zeigt kein Interesse an dem Essen

  • Baby wirkt ausgeglichen und zufrieden

Senden Babys diese Signale, sollen Versorger die Mahlzeit langsam beenden; Besteck weglegen, Baby abputzen und waschen und vom Tisch nehmen.


HUNGER

  • Baby dreht Kopf (in Richtung Brust/ Flasche oder später Tisch)

  • Baby nimmt die Finger oder Faust in den Mund

  • Baby wirkt unausgeglichen, jammert oder weint


Positive Atmosphäre am Tisch


Was ist eine positive Atmosphäre während einer Mahlzeit für Babys?

Versorger müssen dafür nicht gleich Tischdecke, Kerzen und leichte Jazzmusik auspacken. Sondern es geht eher darum, dass Babys eine positive Assoziation mit dem Essen entwickeln. In einem positiven und gewohnten Umfeld sind Babys (und Kleinkinder) bereit Neues zu probieren. Das ist besonders in den Anfängen der Beikost wichtig, weil da Alles neu ist. Nur Milch ist vertraut.


Ein wichtiger Teil der zu einer positive Atmosphäre beiträgt ist, dass Babys nicht allein essen, sondern in Gemeinschaft, sei dass zusammen mit Erwachsenen oder Kindern. Keiner will gerne allein Essen und Babys auch nicht. So können sie sich super abschauen, wie denn das mit dem Essen eigentlich funktioniert – vom in die Hand nehmen und zum Mund führen bis hin zum Kauen und Schlucken. Außerdem fällt es Babys leichter Neues und Unbekanntes zu probieren, wenn sie vertraute Personen dabei beobachten, wie diese dasselbe essen. Letztlich hält das auch davon ab, dass während dem Essen der gesamte Fokus auf dem Baby liegt – wieviel, was und wie es isst.

Der andere Teil ist, dass Babys ohne Druck und Erwartungen essen dürfen. Das ist für Versorger sicherlich der schwierigere Teil. Babys, die genötigt werden, bestimmtes Essen zu probieren neigen dazu später pingelige Esser zu werden und sind allgemein ungewillter Neues zu probieren. Genauso neigen Babys, die gezwungen oder überredet werden aufzuessen später dazu sich zu überessen und vielleicht übergewichtig zu werden. Es ist also wichtig, wie schwer es einem auch fällt, die Kontrolle völlig bei dem Baby oder Kind zu lassen wie viel und ob überhaupt es ist. Eigentlich sollten Versorger, sobald das Essen serviert ist, sich einfach zurücklehnen und die eigene Mahlzeit genießen – leichte Konversationen und gutes Essen eben.


Alte Gewohnheiten


Traditionelle Praktiken wie Beikost eingeführt wurde und Kleinkinder gefüttert wurden beruhen darauf, dass Essen rar ist. Das stimmt in unserer heutigen Zeit aber nicht mehr und es ist das Gegenteil der Fall. Essen ist allgegenwärtig und bequem und leicht zugänglich, vor allem kalorienreiches, nährstoffarmes Essen. Das heißt, wir müssen umdenken – auch bei der Ernährung von Babys und Kindern.

Methoden nach denen Babys und Kinder zur Beruhigung und Ablenkung, ständig, mit großen Portionen und ausschließlich ihrem Lieblingsessen gefüttert werden oder genötigt werden (auf) zu essen führen heute dazu, dass Kinder pingelig und übergewichtig werden mit einer Vorliebe für kalorienreiche, nährstoffarme Nahrung.



LITERATURVERZECHNIS

  1. Birch, L. L. & Doub, A. E. Learning to eat: birth to age 2 y. Am J Clin Nutr 99, 723S-728S (2014).

  2. Black, M. M. & Aboud, F. E. Responsive feeding is embedded in a theoretical framework of responsive parenting. in Journal of Nutrition vol. 141 490–494 (2011).

  3. Satter, E. Eating Competence: Definition and Evidence for the Satter Eating Competence Model. J Nutr Educ Behav 39, S142–S153 (2007).

  4. Hunger & Sättigung | kindergesundheit-info.de. https://www.kindergesundheit-info.de/themen/ernaehrung/alltagstipps/0-12-monate/hunger-saettigung/.

  5. Popkin, B. M. The Nutrition Transition and Obesity in the Developing World. J Nutr 131, 871S-873S (2001).



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