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Beikost - Was?

Nährwert, Geschmack und Verschluckungsgefahr – Was serviere ich denn am besten als erste Mahlzeit?

Die erste Beikost ist ein wichtiges Thema für die meisten Eltern, Erzieher und Versorger. Viele Kulturen haben wunderbare Bräuche und Feste, um Babys erste Beikost zu feiern und ehren.

Aber was serviert man denn am besten?


Laut Wissenschaft gibt es, im Grunde, für die „perfekte“ Beikost vier Punkte zu beachten:

  1. Hoher Nährwert

  2. Altersgerechte Konsistenz und Geschmack

  3. Allergene

  4. Sicherheit von Speisen


1. Hoher Nährwert


Babys brauchen ab dem ca. 6. Lebensmonat zusätzliche Nährstoffe, die Milch nicht oder nur in geringen Mengen enthält, um sich weiterhin optimal zu entwickeln:

  • Eisen

  • Zink

  • Energie

  • Eiweiß (Proteine)

  • Andere Spurenelemente, wie Vitamin D, B12 und omega-3 Fettsäuren


Zusätzlich sollen für Babys innerhalb der ersten zwei Lebensjahre zwei Nährstoffe/ Speisezusätze weitgehendst vermieden werden:

  • Salz

  • Zucker


Um den Nährwert von bestimmten Speisen oder Lebensmitteln zu ermitteln, schaut man beim Einkaufen am besten auf die Nährwerttabelle. Das Internet bietet auch Auskünfte über Nährwerte. Wichtig ist es dabei auf vertrauliche Quellen aus dem eigenen Land zu achten, da sich Nährwerte verschiedener Lebensmittel zwischen Ländern unterscheiden.


Hier sind ein paar Beispiele:

Fleisch und Fleischprodukte (z.B. Leber) sind die Lebensmittel mit dem Meisten Eisen, das für den Körper leicht zugänglich ist. Außerdem sind sie auch reich an Eiweiß, Zink und Vitamin B12 und liefern Energie. Rote Linsen, Kichererbsen und Soja (Tofu) enthalten auch Eisen, Zink und Eiweiß, genauso wie mancher angereicherter (d.h. Eisen und andere Spurenelemente wurden zugesetzt) Babybrei (meist Getreidebrei in Pulverform zum Anrühren).


Baby isst ein Stück Steak.

Fisch und Meeresfrüchte sind reich an omega-3 Fettsäuren, Vitamin D, Zink und Eiweiß. Allerdings sollte man Sorten wählen, die kein oder nur wenig Quecksilber enthalten, wie z.B. Lachs oder heimische Süßwasserfische. Sardinen (ohne Salz!) sind ein super Universaltalent, weil sie zusätzlich noch Eisen enthalten und außerdem praktisch in der Dose verpackt sind, fertig zum Verzehr, z.B. auf einem Stück Brot oder Kräcker. Avocados sind ähnliche Universaltalente voller omega-3 Fettsäuren und fertig zum Verzehr, nur leider kein Eisen oder Eiweiß.

Eier und Eiprodukte können auch omega-3 Fettsäuren enthalten, sind schnell zubereitet und, auf jeden Fall, die beste Eiweißquelle. Leider sind gekochte Eier oder Omeletts für Babys am Anfang etwas schwer zu kauen und schlucken und können leicht den Würgereiz auslösen – sind aber fantastisch in Backwaren, wie Küchlein oder Pflänzchen.

Omega-3 Fettsäuren können Speisen auch durch, z.B. Rapsöl, Leinsamen oder Chia zugesetzt werden. Bei Samen gilt es entweder geschrotete oder eingeweichte Samen zu verwenden und auch diese nicht mehr als ein paarmal in der Woche. Samen sind schwer zu verdauen und können die Aufnahme anderer wichtiger Nährstoffe, wie z.B. Eisen, verringern.

Die meisten Babys benötigen weiterhin Vitamin D als Tropfen.

Babys Nieren, Herz und andere Organe entwickeln sich noch und können hohe Mengen and Natrium (der chemische Bestandteil von Speisesalz) nicht verarbeiten. Grundsätzlich gilt es Salz als Speisezusatz für Babys, vor Allem innerhalb des ersten Lebensjahres, zu vermeiden.

Babys brauchen keinen Industriezucker oder andere Zucker und Süßmittel, wie z.B. Honig oder Dicksäfte. Obwohl Zucker fantastische schnelle Energielieferanten sind, sollten sich Babys ihre Energie aus anderen Lebensmitteln und Speisen holen. Zuckerhaltige Speisen können nährstoffreiche Lebensmittel ersetzen und zu ungesunden Gewohnheiten, wie einer starken Vorliebe für süße Speisen, führen.


2. Altersgerechte Konsistenz und Geschmack


Altersgerechte Konsistenz bezieht sich darauf, dass Babys Lebensmittel und Speisen in einer Konsistenz und Form als Beikost bekommen, die ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung entsprechen und diese unterstützen. Die Förderung der Geschmacksentwicklung ist wichtig, da sich Babys anfangs noch leichter an bitteren und sauren (Gemüse), statt süßen (Obst), Geschmack gewöhnen und da sich diese Gewohnheit bis ins Kindesalter fortsetzt.


6-8 MONATE

Innerhalb der ersten Beikostmonate (6-8 Monate) üben Babys Finger zum Mund zu führen, der Würgereiz geht zurück und sie erlernen das Schlucken von dickeren Flüssigkeiten und Stückchen. Babys verwenden in diesem Alter ausschließlich den Faustgriff. Zusätzlich ist es das beste Alter, um Babys an den bitteren und sauren Geschmack von Gemüse zu gewöhnen.


Lebensmittel für Beikostanfänger sind also groß, weich und pikant (NICHT süß) und jeden Tag was Neues:

  • Streifen von Fleisch, wie Steak oder Braten

  • Hähnchenschenkel

  • Stück vom Lachs

  • Avocado

  • Gekochte Süßkartoffel, Karotte, Paprika, grüne Bohnen, Spargel, anderes Gemüse

  • Brotkruste mit Aufstrich, z.B. Erdnussmus, Leberpastete oder Sardinen

  • Brei oder Mus aus Gemüse, Fleisch oder Hülsenfrüchten

Speisen mit zunehmend komplexer, das heißt unterschiedlicher, Textur und auch Geschmack sind ideal für die älteren Babys (8 Monate). Als gekochtes Gemüse hat zum Beispiel Brokkoli oder Blumenkohl verschiedene Texturen. Kombinierte Lebensmittel, wie Nudeln mit Soße oder Kartoffel mit Hackfleisch, können auch zunehmend angeboten werden.

Babys, die mit Brei angefangen haben sollten, langsam mit 8 Monaten davon wieder wegkommen. Versorger können, zum Beispiel, Mus oder zerdrücktes bis hin zu weich gekochtem Essen anbieten; Brei kann Essen mit anderer Konsistenz untergerührt werden, wie zum Beispiel weiche Haferflocken, Quinoa oder Reis.


AB 9 MONATEN

Rund um den 9. Lebensmonat entwickeln die meisten Babys den Pinzettengriff. Babys werden auch sichtlich besser im Kauen und Schlucken und Beikostmahlzeiten werden oft mehr zur Gewohnheit.

Babys sollten in diesem Alter gemischte Speisen mit komplexer, unterschiedlicher Konsistenz und verschiedenem Geschmack angeboten bekommen. Verschiedene Konsistenzen sind, z.B. weich (z.B. Avocado), hart (z.B. Brot), körnig (z.B. Getreide), fasrig (z.B. Fleisch, Gemüse), glitschig (z.B. Nudeln). Neben bitterem und saurem Geschmack von Gemüse eignen sich auch Kräuter und Gewürze, um dem Baby neue Geschmacksrichtungen vorzustellen.

Oft eignet es sich ab diesem Alter das Familienessen kleinzuschneiden, solange es für das Baby sicher ist.

Natürlich können Babys auch süßes Obst als Beikost bekommen. Obst ist reich an Vitamin C, was bei der Aufnahme von Eisen hilft. Außerdem ist es ein guter Energielieferant und oft schnell und einfach zubereitet.


Baby isst Geburtstagskuchen mit Sahne.


3. Allergene


Allergene, d.h. Lebensmittel, die Allergien auslösen können, müssen Babys frühzeitig und oft als Beikost angeboten werden, um das spätere Allergierisiko zu senken.


Die häufigsten Allergieauslöser bei Lebensmitteln sind:

  • Erdnüsse

  • Ei

  • Schalentiere und Meeresfrüchte

  • Soja

  • Sesam

  • Milch

  • Fisch


Erdnüsse und andere Nüsse können als Butter oder Mus dünn auf Brot gestrichen oder gemahlen in andere Speisen, z.B. Joghurt, untergerührt werden.

Ei und Milch wird am einfachsten in Backwaren, z.B. Küchlein, angeboten.

Schalentiere, wie Shrimp, können gut gekocht (Lebensmittelsicherheit!) und längsweise geschnitten (Verschluckungsgefahr!) angeboten werden.

Soja gibt es in vielen Formen. Tofu eignet sich gut oder gekochtes und zerdrücktes (Verschluckungsgefahr!) Edamame. Sojasoße ist für Babys auf Grund des hohen Salzgehaltes ungeeignet.

Sesam ist oft als Samen auf Brot oder kann als Tahini anderen Speisen untergerührt werden.


4. Sicherheit von Speisen und Lebensmitteln


Speisen und Lebensmittel müssen für das Baby sicher sein, um keine Erstickung- oder Erkrankungsgefahr darzustellen.


ERSTICKUNGSGEFAHR

Babys haben kleine Luftröhren und sind noch nicht an das Schlucken stückiger oder dickflüssiger Nahrung gewöhnt. Jede Speise oder Nahrungsmittel können eine Verschluckungsgefahr darstellen, weshalb es wichtig ist, dass Babys, während dem Essen aufrecht am Tisch sitzen und stets unter Beobachtung sind.


Kleine, harte, runde Lebensmittel oder solche die in kleine, harte, runde Stücke brechen stellen die größte Verschluckungsgefahr da:

  • Äpfel

  • Rohes Wurzelgemüse (z.B. Karotte, Kohlrabi)

  • Ganze Kirschtomaten

  • Ganze Blaubeeren oder Trauben

  • Ganze Nüsse

  • Hülsenfrüchte (Erbsen, Kichererbsen, Bohnen)

  • Popcorn und harte Bonbons (für Kinder <4 J. ungeeignet)

Reiben, weichkochen und platt drücken kann die Verschluckungsgefahr von Lebensmitteln verringern. Blaubeeren, Trauben und Kirschtomaten können auch längsweise in Viertel geschnitten werden um sie sicher für den Verzehr von Babys zuzubereiten.


ERKRANKUNGSGEFAHR

Lebensmittel können mit schädlichen Bakterien verunreinigt sein, die Menschen krank machen. Babys haben ein schwächeres Immunsystem, weshalb sie an diesen Bakterien leichter und schwerer erkranken. Deshalb gilt es bei Kleinkindern, die jünger als 2 Jahre sind, besonders auf Lebensmittelsicherheit zu achten.


Ungewaschenes Gemüse und Obst (auch aus dem eigenen Garten) und ungenügend gekochte Tierprodukte stellen die größte Gefahr da:

  • Rohe Eier

  • Rohes Fleisch oder Hühnchen

  • Roher Fisch (z.B. Sushi)

  • Rohe Milch (nicht pasteurisiert)

  • Roher Honig (nicht pasteurisiert)

  • Ungewaschener Salat oder Sprossen

Ausreichendes kochen von Tierprodukten, gutes, mit Seife, waschen von Gemüse und Obst und auf Kreuzkontaminationen achten verringert die Gefahr von Lebensmittelvergiftungen.



LITERATURVERZEICHNIS:


  1. EFSA NDA Panel (EFSA Panel on Dietetic Products Nutrition and Allergies). Scientific Opinion on nutrient requirements and dietary intakes of infants and young children in the European Union. EFSA Journal 11, 1–103 (2013).

  2. Fewtrell, M. et al. Complementary Feeding: A Position Paper by the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition (ESPGHAN) Committee on Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 64, 119–132 (2017).

  3. Koletzko, B. et al. National Recommendations for Infant and Young Child Feeding in the World Health Organization European Region. J Pediatr Gastroenterol Nutr 71, 672 (2020).

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