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Beikost - Warum?

Warum brauchen Babys eigentlich Beikost?

Endlich trinkt das Baby halbwegs geregelt von der Brust oder aus der Flasche und die Familie hat sich an diese Mahlzeiten mehr oder weniger gewöhnt, da soll sich alles wieder ändern? Wieso braucht das Baby eigentlich Beikost und warum sollen sich Erzieher und Versorger dieser kleinen Wesen das überhaupt antun?


Baby sitzt in Hochstuhl und schaut fragend.

Ich will diesen Fragen gerne auf den Grund gehen. Damit lässt sich nämlich einiges erklären, wie zum Beispiel auch ab welchem Alter Beikost Sinn macht und was als erstes Essen am besten auf den Tisch kommt (bevor es dann unter dem Tisch landet…). Das Alles hängt hauptsächlich mit der Entwicklung des Babys aber auch mit der Familiensituation zusammen. Deshalb macht es dann auch Sinn macht, dass jedes Baby, individuell, die Beikostreife in einem anderen Alter erreicht.


Die Entwicklung des Babys, das Wachstum und Erlernen körperlicher und geistiger Fähigkeiten, im ersten Lebensjahr ist unglaublich. Dafür benötigen Babys irgendwann mehr als ‚nur‘ Milch, sei es Muttermilch oder Fläschchennahrung. Die Hauptgründe für Beikosteinführung um optimale körperliche und geistige Entwicklung zu fördern lassen sich, wie auch in den meisten Artikel aus Wissenschaft und Gesundheit, in folgende Punkte zusammenfassen:


  1. Bedarf an Spurenelementen (z.B. Eisen)

  2. Energiebedarf

  3. Erlernen von Mundmotorik

  4. Geschmacksentwicklung

  5. Vorbeugen gegen Allergien




1. Erhöhter Bedarf an Spurenelementen, wie Eisen, und anderen Vitaminen/ Mineralstoffen


Mineralstoffe und Vitamine sind fundamental wichtig für Babys optimale geistige und körperliche Entwicklung. Muttermilch, jedoch, enthält nur geringe Mengen an wichtigen Spurenelementen, allen voran Eisen. Das heißt, Babys brauchen mehr Spurenelemente als sie aus der Muttermilch aufnehmen können. In den ersten Lebensmonaten decken Babys diesen zusätzlichen Bedarf durch, sogenannte, (Eisen-)Speicher. Das ist Eisen (oder auch andere Spurenelemente) das die Babys während ihrer Entwicklung im Mutterlaib gespeichert haben, meist in der Leber. Ab dem zirka sechsten Lebensmonat hat das Baby seine Speicher aber aufgebraucht. Das heißt, es muss dann Eisen und andere Spurenelemente, wie Zink, Jod, Vitamin B12 und omega-3 Fettsäuren (DHA und ALA) aus externen Quellen, wie eben seiner Beikost, aufnehmen, um sich weiterhin optimal zu entwickeln.

Eisenmangel führt zu Blutarmut (Anämie). Babys, die exklusiv gestillt werden und die ab dem sechsten Monat keine eisenreiche Beikost zu sich nehmen, haben ein hohes Risiko Blutarmut zu entwickeln.3 Das Risiko für Eisenmangel ist einer der Hauptgründe, dass Gesundheitsorganisationen die Einführung von Beikost vor der Vollendung des siebten Lebensmonats empfehlen, also spätestens mit sechs Monaten1–4. Die optimale erste Beikost sollte also reichhaltig an Eisen und auch anderen Spurenelementen sein.

Fläschchennahrung ist zwar oft mit Nährstoffen, wie Eisen, angereichert, jedoch ist sie der menschlichen Milch weitgehend angepasst. Das heißt, dass die meisten Babys, unabhängig davon wie sie sich die ersten Monate ernähren, ab dem zirka sechsten Lebensmonat von dem Angebot an nährstoffreicher Beikost profitieren.


2. Energiebedarf


Das Baby verdreifacht ihr oder sein Geburtsgewicht bis zum ersten Geburtstag. Wer so schnell wächst, hat einen hohen Bedarf an Energie. Babys, wie alle andere auch, nehmen Energie aus dem Essen auf. Anfangs, für zirka die ersten sechs Monate, reicht die Energie die Babys von der Muttermilch bekommen, aber irgendwann brauchen sie mehr. Die extra Energie bekommen Babys dann von ihrer Beikost. Es ist deshalb wichtig Babys Beikost anzubieten, die viel Energie liefern kann. Fett, aber auch Kohlenhydrate, sind optimale Energiequellen für kleine Wichte.


3. Erlernen von Mundmotorik


Eine interessante Tatsache, die zumindest mir nie aufgefallen ist, ist, dass sich Menschen anfangs in ihrem Leben nur durch Saugen ernähren – das Nuckeln an der Brust oder der Flasche – und dann nie wieder, bis vielleicht ins hohe Alter. Babys müssen also irgendwann lernen Essen nicht nur durch Saugen und Nuckeln aufzunehmen, sondern durch Beißen, Kauen und Schlucken. Das ist das sogenannte Erlernen der Mundmotorik. Die meisten Babys sind mit zirka sechs Monaten von ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung so weit, dass sie zuerst Schlucken und dann Kauen langsam erlernen können.

Das Erlernen der Mundmotorik ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Babys und wird nur zu oft vergessen. (Leider) heißt das auch, dass Babys anfangs viel üben und probieren, was eben dann dazu führt, dass Essen wieder ausgespuckt, ausgewürgt, und manchmal sogar verschluckt wird.


4. Geschmacksentwicklung


Innerhalb der ersten Lebensjahre entwickeln Babys Vorlieben für Geschmack und Textur von Essen. Anfangs, vor dem ersten Geburtstag, sind Babys aufgeschlossen und abenteuerlich, wenn es darauf ankommt neue Texturen und Geschmäcker auszuprobieren. Die meisten Babys haben nur wenig bis gar keine Vorlieben für bestimmtes Essen und ihnen schmeckt eigentlich alles! 5

Einer der größten Fehler den wir, als Versorger machen können, ist, dass wir meinen, nur weil das Baby, während dem Essen das Gesicht verzieht oder das Essen wieder ausspuckt, dass es dem Baby nicht schmeckt; und wir dann dieses bestimmte Lebensmittel dem Baby vielleicht nie wieder anbieten. Oh, Brokkoli mag’s nicht! Nein! Diese Reaktion heißt nur, dass der Geschmack und die Textur vielleicht unerwartet waren. Stell dir vor, du hast eine schön, reife, dunkelrote Erdbeere vor dir. Dann beißt du rein und, statt süß und saftig, ist die Erdbeere sauer! Da verziehst du wahrscheinlich auch erst mal das Gesicht, spuckst sie vielleicht wieder aus und schimpfst. Das heißt aber lange noch nicht, dass du nie wieder Erdbeeren essen willst!

Irgendwann zwischen dem ersten und zweiten Geburtstag werden die meisten Babys etwas wählerischer und es wird schwieriger ihnen neue Lebensmittel schmackhaft zu machen – nicht unmöglich, aber es sind vielleicht ein paar Tricks notwendig, um Interesse an dem Ungewohnten zu wecken. Vor dem ersten Geburtstag ist also eine wichtige und kritische Zeit um dem Baby möglichst viel verschiedenes Essen mit unterschiedlichsten Geschmäckern, Texturen und Aussehen anzubieten und zu geben. Nicht nur (Einheits-)Brei…


5. Vorbeugen gegen Allergien


Allergien sind nicht nur nervig, wegen Juckreiz und Ausschlag, sondern können sogar lebensbedrohlich sein; vor Allem Erdnussallergien. Bis 2015, war der wissenschaftliche Konsensus, dass Babys Lebensmittel, die Allergien auslösen können (Allergene), möglichst vermeiden und schon gar nicht im ersten Lebensjahr als Beikost bekommen sollen. Das sollte lebensbedrohliche allergische Reaktionen vermeiden. Diese Meinung hat sich jedoch radikal geändert (wie so oft in der Wissenschaft). Neue Erkenntnisse aus einer wichtigen Studie (Fleischer et al, 2013), haben dazu geführt, dass Gesundheitsbehörden und Ärzteverbände weltweit ihre Richtlinien und Empfehlungen geändert haben; anfangs nur für Erdnüsse, bald aber auch für andere Allergene. Heute wird empfohlen, dass, vor Allem Erdnüsse und Ei, aber auch andere Allergene, möglichst früh (zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat) und oft den Babys gegeben werden, um später im Leben Allergien und allergische Reaktionen zu vermeiden.

Da Allergien zu lebensbedrohlichen Reaktionen führen können, bitte sprecht immer erst mit dem Kinderarzt oder anderen medizinischen Fachkräften, solltet ihr euch Sorgen machen.



LITERATURVERZECHNIS

  1. Castenmiller, J. et al. Appropriate age range for introduction of complementary feeding into an infant’s diet. EFSA Journal 17, 5780 (2019).

  2. National Academy of Sciences Engineering and Medicine. Feeding infants and children from birth to 24 months: Summarizing existing guidance. (The National Academies Press, 2020).

  3. Fewtrell, M. et al. Complementary Feeding: A Position Paper by the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition (ESPGHAN) Committee on Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 64, 119–132 (2017).

  4. Handlungsempfehlungen - Gesund ins Leben. https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-fachkreise/bestens-unterstuetzt-durchs-1-lebensjahr/handlungsempfehlungen/.

  5. Braet, C. et al. How Infants and Young Children Learn About Food: A Systematic Review. Frontiers Psychology 8, 1046 (2017).

  6. Fleischer, D. M. et al. Primary Prevention of Allergic Disease Through Nutritional Interventions. J Allergy Clin Immunol Pract 1, 29–36 (2013).

  7. Obbagy, J. E. et al. Complementary feeding and food allergy, atopic dermatitis/eczema, asthma, and allergic rhinitis: a systematic review. Am J Clin Nutr 109, 890S-934S (2019).



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