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Beikost - Wann?

Beikostreife - Ab welchem Alter ist mein Baby bereit für Beikost und was sind die Anzeichen?

Wie so Vieles in Babys Entwicklung ist auch die Beikostreife bei jedem Baby anders. Genauso wie nicht alle Babys gleichzeitig anfangen zu Reden oder Laufen, sind auch nicht alle Babys gleichzeitig bereit mit Beikost zu beginnen. Jedes Baby und jede Familiensituation ist da anders! Essen ist so ein wichtiges Thema, nicht nur für die Aufnahme von Nährstoffen, sondern auch kulturell und sozial.

Die meisten Babys erreichen die Beikostreife rund um den sechsten Lebensmonat (zwischen 5 und 7 Monaten) und das ist ein wichtiger Meilenstein. Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Beikosteinführung vor dem sechsten Lebensmonat dem Baby irgendwelche Vorteile verschafft, wie zum Beispiel die Nacht durchzuschlafen. Nur Babys, die ein erhöhtes Risiko für Eisenmangel haben, profitieren von dem Angebot eisenreicher Beikost spätestens vor der Vollendung des sechsten Lebensmonats.


Anzeichen in Babys körperlicher Entwicklung


Es gibt grundsätzlich 4 Anzeichen auf die Eltern und Erzieher achten können, um zu erkennen, ob ihr Baby bereit ist für seine erste Beikost:


SITZEN*: Das Baby ist in der Lage sein allein oder mit minimaler Unterstützung stabil aufrecht zu sitzen.


KOPFKONTROLLE: Das Baby kann seinen Kopf ruhig und aufrecht halten, zumindest für die Dauer einer Mahlzeit (ca. 15min).


GREIFEN: Das Baby kann selbstständig nach Gegenständen reichen und diese auch greifen.


INTERESSE: Letztendlich sollte das Baby Interesse am Essen zeigen, das heißt es nimmt Gegenstände, wie Spielsachen, in den Mund oder führt sie Richtung Mund.


Zeigt dein Baby dieses Verhalten und ist um den sechsten Lebensmonat, hat es alle wichtigen Meilensteine für seine erste Beikost erreicht.


*Was tun, wenn mein Baby nicht selbstständig sitzen kann?

Es ist wichtig für Babys während der Mahlzeit stabil zu sitzen, um sicher und erfolgreich Beikost zu essen. Babys, die am Tisch nicht aufrecht sitzen haben ein höheres Risiko sich zu verschlucken und tun sich allgemein schwerer zu essen, das heißt das Essen in den Mund zu nehmen und es im Mund zu bewegen. Sobald dein Baby auf dem Boden sitzen kann, ohne sofort umzufallen oder sich vorgebeugt mit beiden Händen abstützen zu müssen, sitzt es stabil genug, um mit Beikost sicher zu beginnen.

Jedoch sind nicht alle Babys mit 6 Monaten in der Lage mit minimaler Unterstützung stabil zu sitzen. Sei das, weil das Baby einfach noch nicht dazu bereit ist oder weil die Eltern oder Erzieher bewusst dem Baby nicht in eine aufrechte Position verhelfen wollen. Viel aktive Zeit sich frei am Boden, auf dem Bauch aber auch auf der Seite, zu bewegen hilft dem Baby die Muskeln zu stärken, die es zum Sitzen braucht. Erzieher können mit der Beikosteinführung bis zum 7. Lebensmonat warten (ausgeschlossen sind Babys mit erhöhtem Risiko für Eisenmangel), um dem Baby die Möglichkeit zu geben das Sitzen zu lernen; oder manche Familien entscheiden sich für RIE (Pikler, Gerber) Methoden, bei welchen dem Baby breiige Beikost in einer zurückgelehnten Position auf dem Schoss des Versorgers angeboten wird. Sobald Babys selbstständig stabil sitzen können, sollte ihnen Beikost an einem geeigneten Tisch zum Selbstessen angeboten werden, um Eigenständigkeit und körperliche Entwicklung zu fördern und wählerischem Essen vorzubeugen.


Babys Alter und Empfehlungen von Gesundheitsbehörden und -organisationen


Laut Europäischen Richtlinien (EFSA) soll geeignete Beikost, abhängig von dem individuellen Entwicklungsstand des Babys, rund um den 6. Lebensmonat – zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat – angeboten werden. Diese Empfehlung wurde weitgehend von allen Gesundheitsinstituten im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) übernommen. Nur die Europäische Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) erwähnt Beikost bereits ab dem 4. Lebensmonat.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt ebenfalls für die ersten 6 Monate exklusiv zu Stillen und Beikost nicht vor dem 6. Lebensmonat einzuführen. Ähnlich lauten Empfehlungen von Gesundheitsbehörden in USA, Kanada, Australien und Neuseeland.


Ist früher besser?


Kurz gesagt: Nein. Es gibt nicht einen wissenschaftlich bewiesenen Vorteil in körperlicher oder geistiger Entwicklung den Babys mit verfrühter Beikosteinführung (vor dem 6. oder sogar 4. Lebensmonat) hätten. Ab dem 6. Lebensmonat, jedoch, benötigen Babys Beikost für den zusätzlichen Nährwert und ihre körperliche Entwicklung.

Es ist sogar eher das Gegenteil der Fall. Babys, die Beikost bekommen, bevor sie dafür körperlich und geistig bereit sind, haben ein größeres Risiko später, im Kleinkindalter, „schwierige Esser“ zu werden, das heißt, pingelig, mäkelig und wählerisch. Babys die früher mit Beikost angefangen, essen im Kleinkindalter oft weniger gesund, z.B. frisches Gemüse und Obst, und sind weniger dazu bereit neues, unbekanntes Essen zu probieren. Außerdem neigen diese Babys als Kleinkinder eher dazu sich zu überessen und kennen ihr natürliches Völlegefühl nicht, was später zu Übergewicht führen kann. Viele dieser späteren Probleme hängen aber auch damit zusammen, WIE Beikost eingeführt wurde.


Frühchen


Es gibt zu wenig wissenschaftliche Studien, um definitive Aussagen über Frühchen zu treffen. Die meisten Frühchen scheinen die Beikostreife ab ihrem chronologisch berechneten 6. Lebensmonat zu erreichen (und spätestens ab ihrem korrigierten Alter von 6 Monaten). Generell gilt auch für Frühchen, dass die Zeichen der Beikostreife wichtiger sind als das Alter für den optimalen Beikoststart. Da einige Frühchen, vor Allem die die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden, vielleicht von zusätzlicher, individueller Unterstützung profitieren, gilt es immer erst mit dem Kinderarzt oder anderem medizinischen Fachpersonal Rücksprache zu halten.




LITERATURVERZEICHNIS:

  1. Castenmiller, J. et al. Appropriate age range for introduction of complementary feeding into an infant’s diet. EFSA Journal 17, 5780 (2019).

  2. Babik, K. et al. Infant feeding practices and later parent-reported feeding difficulties: a systematic review. Nutr Rev 79, 1236–1258 (2021).

  3. Richtig essen für Babys. https://www.richtigessenvonanfangan.at/eltern/richtig-essen/beikost/.

  4. Reif für die Beikost - Gesund ins Leben. https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-familien/das-1-lebensjahr/reif-fuer-die-beikost/.

  5. Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern. https://www.bundespublikationen.admin.ch/cshop_mimes_bbl/14/1402EC7524F81EEB9991312E8648A5B1.pdf.

  6. Fewtrell, M. et al. Complementary Feeding: A Position Paper by the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition (ESPGHAN) Committee on Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 64, 119–132 (2017).

  7. Infant and young child feeding. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infant-and-young-child-feeding.

  8. National Academy of Sciences Engineering and Medicine. Feeding infants and children from birth to 24 months: Summarizing existing guidance. (The National Academies Press, 2020).




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